Kunstwerke im öffentlichen Raum

In der Stadt Freiburg sind rund fünfzehn Kunstwerke unter freiem Himmel zu bewundern. Diese allgemein zugänglichen künstlerischen Arbeiten tragen zur Aufwertung des öffentlichen Raums bei. Die Skulpturen befinden sich überwiegend im Stadtzentrum und interagieren mit ihrer bebauten Umgebung. Sie ermöglichen einen ersten Kontakt der Bürgerinnen und Bürger mit den Kunstsammlungen der Stadt. Die ausgestellten Werke – die aus Schenkungen oder Ankäufen stammen – sind alle Eigentum der Stadt.

Aldo Albizzati - Der Kranich

Der Kranich, eine monumentale schmiedeeiserne Skulptur, ist ein Werk von Aldo Albizzati (1911-1982). Der italienische Kunstschmied kam 1947 in die Schweiz und arbeitete in Bulle, bevor er sich in Freiburg niederliess.

Der Kranich war ursprünglich ein privates Auftragswerk. Doch das Modell gefiel dem Auftraggeber nicht. Aldo Albizzati – dem wir einige kunstvolle Laternen in der Unterstadt sowie schmiedeeiserne Tore verdanken – beschliesst, trotzdem eine riesige Version des Vogels zu schaffen, der als Wappensymbol für Langlebigkeit, Loyalität und Wachsamkeit steht und zum Wahrzeichen des Greyerzbezirks wurde. Er bildet das Meisterwerk aus der Spätphase der Karriere des Künstlers.

Der Stelzvogel mit einer Flügelspannweite von fast vier Metern und einem Gewicht von rund 550 Kilo wird 1978 fertiggestellt. Im Juli desselben Jahres wird die Skulptur vorübergehend auf dem Georges-Python-Platz auf dem Hügel gegenüber dem Albertinum aufgestellt, wo sie grosses Interesse auf sich zog. Im März 1979 wurde Der Kranich jedoch mutwillig beschädigt, was eine Reparatur durch den Künstler selbst erforderlich machte. Nach diesem Vorfall beschliesst die Stadt, das Werk zu erwerben, unterstützt durch private finanzielle Mittel. 

1987 verschwindet Der Kranich aufgrund der riesigen Baustelle des Parkhauses des Alpes in den Lagern der Stadt, bevor er Anfang der 1990er-Jahre im kleinen Park der oberen Haltestelle des Funiculaires aufgestellt wird. Hier steht der Vogel, bis er im Jahr 2025 umfassend restauriert wird. Das schmiedeeiserne Kunstwerk erstrahlt nun wieder in seiner ursprünglichen Schönheit mit all seinen Federn, nachdem der Schwanz des Vogels zu einem unbekannten Zeitpunkt beschädigt worden war.

Die perfekt proportionierte Darstellung des langgliedrigen und zugleich majestätischen Kranichs mit einem erhobenen Fuss vermittelt den Eindruck, als wolle er gleich zum Abflug ansetzen. Albizzatis Sinn für Details ist unübersehbar, er verzierte die ausgeschnittenen Federn von Hand und stattete den Vogel mit einer stilisierten Federhaube aus. 

Standort
Garten des "Funiculaire"
Technik
Metallisiertes Schmiedeeisen

 

© Stadt Freiburg - Valentine Brodard

Emile Angéloz - Ohne Titel

Diese Skulptur des Freiburger Künstlers Emile Angéloz (1924–2022), einem Gründungsmitglied der Gruppe Mouvement und Gewinner mehrerer nationaler Kunstpreise, wurde im Rahmen des Baus eines Spielplatzes auf der Schützenmatte errichtet.

Der Spielplatz wurde 1984 auf Anstoss der Jungen Wirtschaftskammer Freiburg (heute Junior Chamber International Freiburg) über die Beteiligung von Unternehmen, Geschäften und der Bevölkerung finanziert. Das Sammelziel wurde bei weitem übertroffen und mit dem restlichen Geld konnte ein Kunstwerk gekauft werden, um es neben dem Spielplatz aufzustellen. So wurde im Herbst 1984 die Verbundbetonskulptur Ohne Titel von Emile Angéloz auf der Schützenmatte errichtet. Dies war nicht die erste Skulptur des Künstlers, die ihren Weg in den Freiburger öffentlichen Raum fand. Seit 1978 steht die monumentale Skulptur Elemente neben der Berufsfachschule an der Rue du Varis. Diese besteht aus fünf miteinander verschlungenen Teilen und erinnert an eine Architekturlandschaft im Relief.

Das bildhauerische Werk von Emile Angéloz – der zunächst eine Ausbildung als Lithograf absolvierte, bevor er sich der Glasherstellung und den Marmorarbeiten zuwandte – wendet sich in den 1970er-Jahren vom Realismus der Abstraktion zu. Seine gehauenen Formen verkörpern immer öfter geometrische Volumen und das Quadrat in Blockform wird zum Hauptmotiv seiner ästhetischen Auseinandersetzung.

Das kubische Motiv auf der Schützenmatte ist ein kraftvolles Volumen mit einem Loch in der Mitte. Durch den Zusammenschluss zweier Elemente bildet die Skulptur Ohne Titel einen Block, deren Kanten in einem Bogen aufeinandertreffen und einen feinen Spalt offenlassen. Angéloz beschäftigte sich mit der Entfaltung der geometrischen Form im Raum. Formell nähert sich sein Kunstwerk an jenes von Constantin Brancusi mit dem Namen Le Baiser an. Zwischen 1923 und 1925 erschuf der französische Künstler mit rumänischen Wurzeln eine Reihe mit einem als Halbfigur dargestellten und durch einen Block vereintes, verschlungenes Paar. Das Motiv zwischen primitivem Symbol und Moderne wird zu einem Schlüsselwerk.

Standort
Schützenmatte 
Technik
Verbundbeton

 

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© Stadt Freiburg - Upperview Productions
Emile Angéloz und Bruno Baeriswyl - Murtenläufer

Die Skulptur des Murtenläufers wurde von den Freiburger Künstlern Emile Angéloz (1924–2022) und Bruno Baeriswyl (1941–1996) angefertigt. Im Auftrag der Stadt Freiburg schufen sie aus den Resten der Konstruktion, welche die Äste der Linde stützte, gemeinsam ein Kunstwerk für den Ort, an dem die knorrige Murtenlinde stand. Der Baum symbolisierte seit dem 18. Jahrhundert den Sieg der Freiburger und Eidgenossen über die Truppen Karls des Kühnen bei der Schlacht von 1476.[1]

Inspiriert von der mythischen griechischen Geschichte, die dem Marathon seinen Ursprung gab, besagt die Legende, dass ein Bote nach dem siegreichen Ausgang der Schlacht bei Murten mit einem Lindenzweig in der Hand die 17 Kilometer von Murten nach Freiburg rannte, um den Sieg der Eidgenossen zu vermelden.[2] In Freiburg angekommen brach der Läufer vor Erschöpfung tot zusammen. Zu seinen Ehren wurde der Lindenzweig an Ort und Stelle in die Erde gesteckt und wuchs auf der heutigen Route des Alpes gegenüber des Rathausplatzes zu einem stattlichen Baum heran.

Zum ersten Mal erwähnt wird die Linde in der Chronik von Rudella im Jahr 1470.[3] 1482 wurde um die Linde eine Plattform aus Tuffstein errichtet. 1490 wurde am Fuss des Baums, der sich an einem wichtigen Knotenpunkt der Stadt befand, eine Sitzbank aufgebaut. In der Folge wurde ein Holzrahmen errichtet, um die Äste der Linde zu stützen. 1756 wurden vier Stützen aus Solothurner Stein erstellt, um das Element zu tragen, das die Äste stützte. Nach grossen Arbeiten wurde 1909 die Route des Alpes eingeweiht. Für einen besseren Verkehrsfluss wurden die vier Stützen auf drei reduziert. Die Volutenkapitelle und die Sitzbank wurden entfernt.[4]

Die Linde und ihre allen bekannte Legende haben die Jahrhunderte seit dem Mittelalter überdauert und sind ein fester Bestandteil der Freiburger Identität. Im April 1983 rammte ein Autofahrer den Baum, wodurch der Hauptast abbrach. Im September 1985 entfernten die Stadtgärtner die Überreste der altehrwürdigen Linde. Der Baum war nicht mehr. Unweit von ihrem alten Platz wurde ein Ableger der Linde auf dem Rathausplatz gepflanzt, damit sie fortbesteht. Im Oktober 1988 wurden die verbleibenden Säulen und Tragstruktur von einem Fahrzeug angefahren. Im darauffolgenden Februar wurde die Skulptur von Baeriswyl und Angéloz eingeweiht. Ihre Anfertigung wurde von der Stadt Freiburg und von der Versicherung des Autofahrers, der den Baum fünf Jahre zuvor umgefahren hatte, finanziert.[5] Halb Denkmal, halb Verkehrsinsel[6] erinnert das Kunstwerk symbolisch und stilisiert an den Murtenläufer.

Die beiden Künstler gestalteten die Skulptur nach einem Prinzip der dreifachen Symmetrie mit drei Säulen, drei Stahlträgern und drei Ecken. Die Jahreszahl 1765, die in zwei Teilen am unteren Ende von zwei der drei Säulen eingeritzt ist, erinnert daran, dass diese aus dem 18. Jahrhundert stammen. Die rote Farbe soll an das Blut der Burgunder erinnern, die auf dem Schlachtfeld starben, sowie an die Farbe der Uniformen der Kantonspolizistinnen, die für die Verkehrssicherheit zuständig waren.[7] Dies gibt der ortsspezifischen Installation einen Hauch von Ironie und Verfremdung.

Seit 1933 wird jedes Jahr der Murtenlauf durchgeführt und erinnert an die Legende des Läufers von der Schlacht bei Murten. Bei dieser Gelegenheit wird die Strasse jeweils für den Verkehr gesperrt und tausende Läuferinnen und Läufer folgen der von den Stahlträgern der Skulptur skizzierten Bewegung.
 


[1] Andrey Ivan, «Au carrefour de l’histoire et de la légende», in: Stadt Freiburg: Die Blätter, Amt für Kulturgüter des Kantons Freiburg, Heft 53, 2007.

[2] Weiterführende Informationen: Christian Folini, «Schlacht bei Murten», in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008884/2010-09-02/.

[3] Andrey Ivan, «Au carrefour de l’histoire et de la légende », Nr. 2. 

[4] Marcel Strub, «La ville de Fribourg», Die Kunstdenkmäler des Kantons Freiburg, Bd. I, Basel, 1964, S. 195–196.

[5] «Une sculpture à la place du tilleul de Morat, Coureur de métal rouge», in: La Liberté, Donnerstag, 9. Februar 1989, S.11.

[6] Ursprünglich wurde die Skulptur mit einer konkreten Funktion geplant, und zwar als Verkehrsinsel, um die Sicherheit an dieser Stelle zu erhöhen. Heute quert der Fussverkehr die Strasse weiter oben, am Anfang der Steinbrückengasse.

[7] Christophe Passer, «L'art remplace le tilleul de Morat, Un îlot qui divise vraiment», in: La Liberté, Mittwoch, 12. April 1989, S. 11.

Standort
Ehemaliger Standort der Linde, Route des Alpes
Technik
Säulen und Metallelemente der alten Struktur, welche die Linde von Murten stützte und umrandete (Steinsäulen aus dem Jahr 1756, Metall aus dem 20. Jahrhundert) 

 

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© Stadt Freiburg - Upperview Productions
André Bucher - Kohesion

Kohesion, die Skulptur von André Bucher (1924–2009), steht als gewaltige viereckige Säule bei der Sankt-Johann-Brücke am linken Saaneufer. Sie besteht aus zwei Kalkmonolithen, deren Ineinandergreifen absichtlich durch ihre Unebenheiten verhindert wird. Die beiden einzelnen Teile werden durch einen stilisierten Ziegelgürtel zusammengehalten.[1] Das Kunstwerk wurde am 29. November 1991 nach der «Pax Rösti» eingeweiht, die zur 700-Jahr-Feier der Schweizerischen Eidgenossenschaft organisiert wurde. Während dieser Feier wurde der Röstigraben, der für die sprachlichen und kulturellen Unterschiede zwischen der Deutsch- und der Westschweiz steht, symbolisch zugeschüttet. 

Für manche eine Barriere, für andere eine Grenze oder gar ein züchtiger Vorhang – der Röstigraben ist eine abstrakte Realität, deren Ursprung sich mit jenem unseres Landes vermischt. Der Ausdruck steht für die Trennung, die allem Anschein zum Trotz zwischen den beiden Kulturen der Deutschschweiz und der Romandie besteht. […][2]

Im Beisein des Künstlers und mehrerer Freiburger Persönlichkeiten wurde ein Loch mit Erde zugeschüttet, in das zuvor eine Rösti gelegt worden war.[3] Anschliessend genossen die Gäste das Nationalgericht gemeinsam in einer entspannten Atmosphäre.

Nach der Einweihung schenkte André Bucher die Skulptur Kohesion der Stadt Freiburg, die historisch zweisprachig ist. Die Wahl des Standorts der Skulptur am Saaneufer war übrigens kein Zufall. Der Ausdruck «outre-Sarine» (jenseits des Röstigrabens) spielt auf die natürliche Grenze zwischen den beiden Sprachgebieten an. Der Künstler möchte zum Ausdruck bringen, dass der Fluss die beiden Regionen nicht trennt, sondern verbindet. Für Bucher, der für seine Arbeit mit vulkanischer Lava bekannt ist, ist die signifikative Tragweite von Kohesion durchaus von Belang. So ist André Bucher das perfekte Beispiel für die Vielfalt der Schweizer Sprach- und Kulturregionen. Der gebürtige Obwaldner wuchs im Tessin und in Graubünden auf und besuchte die Kunsthochschule in Zürich, bevor er sich in Genf niederliess.

 


[1] Veredelte Aluminium-Silizium-Legierung.

[2] Auszug aus der Einladung zur Vernissage der Skulptur am 29. November 1991. 

[3] « […] Die Kommunikation verbessern, psychologische Barrieren abbauen, einen gemeinsamen Wille zum Austausch, zur Entwicklung, zum Verständnis auf allen Ebenen zeigen: Das ist die tieferliegende Botschaft der Zuschüttung des Röstigrabens. […] » Ebenda.

Standort
Chemin de la Motta, Sankt Johann Brücke 
Technik
Kalkstein und Alpax

 

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Marc Bucher und Pierre-André Gurzeler - Offene Zukunft

Die Skulptur in Mischtechnik (Holz, Stein und Metall) war der Prototyp für ein Monumentalwerk, das für die Hundertjahrfeier von Freiburg Tourismus entworfen wurde. Marc Bucher (*1969) und Pierre-André Gurzeler (*1950) fertigten Offene Zukunft während dem vom Tourismusbüro organisierten Weihnachtsmarkt 1999 gemeinsam an. Unter den Augen des Publikums behaute Marc Bucher, ein ausgebildeter Steinhauer, den Altenryfstein, während Pierre-André Gurzeler den Metallteil des Kunstwerks anfertigte.

Zum 100-Jahr-Jubiläum von Freiburg Tourismus und an der Schwelle zum Jahr 2000 – einem Schlüsselmoment aufgrund der Jahrtausendwende – planten die beiden Freiburger Freunde ein Monument, das die Botschaft der Öffnung zur Welt ausstrahlt. Demzufolge stellen die drei Steine der totemhaften Komposition (von unten nach oben) die Erde oder die Entstehung von Freiburg Tourismus, das 100-Jahr-Jubiläum und die Zukunft dar. Auf den drei Seiten der Skulpturspitze sind Metallplatten an der Tragkonstruktion befestigt. Diese Teile stellen Implosionsfragmente der Erdoberfläche dar.[1]

Die zehnmal grössere monumentale Skulptur wurde schlussendlich nie verwirklicht. Nach der Jahrtausendwende wurde Offene Zukunft in der Haupteingangshalle des ehemaligen Burgerspitals ausgestellt, bevor es im September 2000 in seinen Garten zog. Seitdem steht die Skulptur dort und hat als zweite Deutung das Aufblühen einer Blume erhalten.
 


[1] «Die Kugeln [die unterschiedlich grossen Steine, die für die Anfertigung der Skulptur behauen wurden] (eine Art Welten) stellen die Entwicklung von Freiburg Tourismus dar. Die erste seine Gründung, die zweite das 100-Jahr-Jubiläum und die dritte steht für die Öffnung [um den Kern explodierte Erdrinde].» 

Auszug aus der Projektbeschreibung der beiden Künstler.

Standort
Garten des ehemaligen Burgerspitals
Technik
Eisen, Altenryfstein, Eichenholz (Fragment der Brückenquerträger der Bernbrücke)

 

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Antoine Claraz - Reiterstatue Berthold IV. von Zähringen

Die Reiterstatue Berthold IV. von Zähringen erhielt ihren Platz an der Gebäudefassade, nachdem Mittel zur künstlerischen Ausgestaltung der Belluard-Schule, die damals eine Sekundarschule für Knaben war, gewährt wurden. Das monumentale Kunstwerk des Freiburger Bildhauers Antoine Claraz (1909–1997) wurde vom Gemeinderat ausgewählt, nachdem es ihm als Kupfermodell vorgestellt wurde. Die Ausführung im Massstab 1:1 mit dem gleichen Material ist ein technisches Meisterwerk. Der Künstler brachte eine aus Metall geschmiedete und geschweisste Vollplastik an der Fassade an. 

Ausgehend von flachen Kupferplatten wird das Relief durch Hämmern und Schmieden erzeugt, dann durch Kupferschweissung – ohne Lötung – verbunden, um die Materialeinheit zu gewährleisten. Die Stabilität wird durch ein inwendiges Rahmengestell gewährleistet. Nach Abschluss und Montage der Teile wurden sie gebeizt und anschliessend mit der Flamme oxidiert. Mit den Jahren verleiht die Luft die sehr schöne Färbung des Grünspans.[1]

Die Skulptur wurde im Juni 1967 an der Fassade angebracht. 1993 wurde das Gebäude, das neu eine Orientierungsschule ist, vergrössert. Im Beisein des Künstlers wurde die Reiterstatue anschliessend an der neuen Fassade angebracht, wo sie den Innenhof der Schule überwacht. 

Der Herzog von Zähringen, der 1157 Freiburg gründete, wird ganz filigran mit eleganter Bewegtheit und reduzierten Linien als draufgängerischer Reiter dargestellt. Mit der Reiterstatue Berthold IV. von Zähringen wollte Antoine Claraz die Funktion des Bildungsinstituts, in der die Bürger von Morgen ausgebildet werden, mit dem Gründer der Stadt Freiburg verbinden. Diese Idee findet sich in der Devise «Là, je bâtis ma ville» wieder, die auf dem Gonfanon[2] am Ende der Lanze zu lesen ist.
 


[1] Privatarchiv Clara Jordan, Antoine Claraz, Inventar – Monumentale Kunstwerke. Stadtarchiv Freiburg, CH-001120-0-FP – Claraz-Jordan-AC-A-02.

[2] Mittelalterliches Kriegsbanner mit mehreren Wimpeln, die in Spitzen auslaufen. 

Standort
Cycle d'orientation du Belluard, Südfassade
Technik
Geschmiedetes, geschweisstes und oxidiertes Kupfer

 

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Denis Guelpa - Meteoriteneinschlag

Die Skulptur Meteoriteneinschlag ist das Werk von Denis Guelpa (*1949), einem Autor und Künstler mit einer Ausbildung als Steinhauer. Mit ihren vier in einem fragilen Gleichgewicht ineinander verschachtelten und nebeneinander liegenden Elementen erinnert die organische Form der Skulptur an ein Schneckenhaus. Trotz dieser Ähnlichkeit handelt es sich tatsächlich, wie der Name es sagt, um einen Meteoriten und dessen Einschlagloch im Boden, das durch eine elliptische Einbuchtung im Asphalt sichtbar ist. Die stilisierte felsige Masse, die an ein kosmisches Fragment erinnert, wurde aus Muschelsandstein gefertigt. Das Gestein aus der Region setzt sich aus marinen Fossilien zusammen, die in Sandstein eingebettet sind.[1]

Wie kommt es, dass sich dieser «Meteorit» - ein beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühtes Asteroidenfragment - in der Nähe des Boulevard de Pérolles in Freiburg wiederfindet? 

Dies ist der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) zu verdanken, die in der Locarnogasso einen Architekturkomplex mit aneinandergereihten Verwaltungs- und Mietgebäuden baute, um sich dort niederzulassen.[2] Um ihr neues Gebäude mit Kunstwerken zu schmücken, bestellte und finanzierte sie ein Kunstwerk, das in der Strassenmitte gegenüber dem Hauptgebäude aufgestellt wurde. Da dieser Platz zum öffentlichen Raum gehört, wurde die Installation 1990 öffentlich aufgelegt. 1991 landete so die Skulptur Meteoriteneinschlag von Denis Guelpa in der Locarnogasse. Und im Inneren des Suva-Gebäudes, denn wie es sich für Asteroidenfragmente gehört, besteht das Kunstwerk aus drei Teilen. Der erste fiel auf die Strasse und das zweite landete im Eingangsbereich des Versicherungsgebäudes. Rollte es bis ins Gebäudeinnere? Auf jeden Fall lassen die Skizzen und Pläne des Künstlers darauf schliessen, dass sich dieser zweite Teil vom auf der Strasse liegenden Meteoriten loslöste. Das letzte Fragment ist ein Wandbild, das in einem Sitzungszimmer hängt.

Von 1995 bis 1998 wurde aufgrund des Baus von Pérolles-Centre der öffentliche Raum neu gestaltet. Rund um die Rue Saint-Paul und um den Abschnitt der Locarnogasse wurden Fussgängerzonen eingeführt. Mit der Einwilligung des Künstlers wurde die Skulptur 1996 in die Nähe des Boulevards verschoben. Seitdem liegt der Meteorit an seinem Platz im öffentlichen Raum und zieht Blicke auf sich.
 


[1] Muschelsandstein ist ein Sedimentgestein, das hauptsächlich in den Kantonen Freiburg und Waadt in Steinbrüchen gewonnen wird.

[2] Das neue Suva-Gebäude wurde am 28. November 1991 eingeweiht. 

Standort
Locarnostrasse
Technik
Muschelsandstein

 

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Jean-Jacques Hofstetter - Tür für eine Landschaft

Der Freiburger Künstler und Galerist Jean-Jacques Hofstetter (*1952) erschuf Tür für eine Landschaft für die Triennale für zeitgenössische Skulptur Bex & Arts von 1999, «Mémoires, paysages intérieurs». Im Freien ausgestellt kontrastiert Hofstetters massives Kunstwerk aus rostigem Eisen mit der umgebenden Natur und transzendiert die Landschaft, indem es ihr einen Rahmen bietet. Die Öffnung im oberen Teil der Eisenvorhangtür – dem zentralen Element der Skulptur – bietet einen Blick auf die Landschaft, der dem Blick durch eine Kameralinse gleicht.

Im Katalog der Triennale wurde die Installation wie folgt beschrieben: 

Ein Eisenvorhang in einer verrosteten Türzarge wird in der Senkrechte gehalten, zwischen einer liegenden Pyramide, die von einer Schiene umkreist wird, und fächerartig angeordneten Klingen. Das Ganze scheint an diesen Ort gerollt zu sein, wo es wie eine Federkiste aufsprang. Durch den dicken Vorhang wurde ein Fenster gestanzt. Die Landschaft wird mit dieser Öffnung eingerahmt, durch die eine Stahlbelaubung spriesst.[1]

Die Skulptur, die als Triptychon gestaltet ist, verfügt über eine spielerische Seite: eine geneigte Fläche, eine senkrechte Tür und schliesslich ein Element, das sich wie ein Akkordeon mit ineinandergreifenden abgerundeten oder abgeschrägten Metallteilen öffnet. Die Grösse des Kunstwerks verbindet sich mit der sorgfältigen Verschachtelung der verschiedenen Elemente, was die Handschrift des Goldschmieds erkennen lässt – der ersten Kunstform, der sich Hofstetter zu Beginn seiner Karriere zuwandte.

Im Rahmen der Veranstaltung «Espace d’une sculpture» der Waadtländer Sektion der Schweizer Gesellschaft der bildenden Kunst stand Tür für eine Landschaft zwischen Dezember 1999 und Juni 2000 auf dem Placette des Terreaux in Lausanne, wo sich die Skulptur auf ein urbane Landschaft öffnete. Nach dieser Einladung kaufte das Freiburger Unternehmen Boccard & Cie (heute Boccard & Partenaires SA) das Kunstwerk und schenkte es der Stadt Freiburg. Am 20. September 2000 wurde Tür für eine Landschaft auf der Esplanade der Schützenmatte eingeweiht. Je nach Jahreszeit und dem Laub der Bäume kann durch die Öffnung in der senkrechten Türe ein Blick auf das Wahrzeichen der Stadt, die St.-Nikolaus-Kathedrale, geworfen werden.
 


[1] Clémence de Biéville, «Jean-Jacques Hofstetter», in: Catalogue de la triennale Bex & Arts 1999, Mémoires, paysages intérieurs, S. 64.

Standort
Schützenmatte
Technik
Rostiges Eisen

 

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Jean-Jacques Hofstetter - Rostiges Eisen und närrische Kräuter

Die Skulptur mit dem für die Werke des Freiburgers Jean-Jacques Hofstetter (*1952) typisch aussagekräftigen und poetischen Titel Rostiges Eisen und närrische Kräuter wurde vom Künstler als Sänfte gedacht. Auf beiden Seiten der tragbaren Kabine scheint eine Art Kiste als Gepäckträger zu dienen. Die grosse und schwere Skulptur wird von einer Metallspirale umkreist. Diese wird von in den Boden gesteckten Stangen getragen und ist mit kleinen Wildkräutertöpfen geschmückt.

Bevor sie 2008 im Garten des ehemaligen Bürgerspitals ihren endgültigen Platz erhielt, der 2010 durch die Schenkung des Werks vom Künstler an die Stadt Freiburg besiegelt wurde, machte Rostiges Eisen und närrische Kräuter mehrere Zwischenstopps. Ihr erster Standort befand sich 2002 während der Expo.02[1] in Muntelier (Gemeinde im Kanton Freiburg) am Murtensee. Im Frühling 2004 wurde die Skulptur – die unter anderem aus recycelten Industrieteilen wie elektrischen Isolatoren besteht – an der Ausstellung «Sculptures de fer» im Manoir von Martigny vorgestellt. Zwischen April und Oktober 2024 war Rostiges Eisen und närrische Kräuter während der Veranstaltung «Espace d’une sculpture» in der Ferme du Manoir in Nyon ausgestellt. Anschliessend kam die Skulptur nach Freiburg, wo sie eine Weile im Garten der Auberge aux 4 Vents stand. Als sie im Bollwerk eingelagert wurde, schlug Jean-Jacques Hofstetter der Gemeinde Freiburg vor, die Skulptur im Aussenhof des Bürgerspitals aufzustellen. Im Sommer 2008 kam Rostiges Eisen und närrische Kräuter so in den Garten an der Spitalgasse. Am 30. September 2010 wurde die Schenkung des Kunstwerks an die Stadt mit einer Einweihung an diesem Standort offiziell bestätigt.

Je nach Jahreszeit finden Sie im Garten des ehemaligen Bürgerspitals die wuchtig starre Skulptur von hohem Gras umringt, das dem Namen der Eisenplastik mit Edelrost-Finish jede Ehre macht.
 


[1] Die Schweizer Landesausstellung – kurz Expo.02 genannt – fand vom 15. Mai bis 20. Oktober 2002 im Drei-Seen-Land (Biel, Neuenburg und Murten) statt.

Standort
Garten des ehemaligen Burgerspitals
Technik
Rostiges Eisen, Glas, alte elektrische Isolatoren

 

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Jean-Jacques Hofstetter - Ohne Titel (Sammlung von 6 Kunstwerke)

Im Garten des ehemaligen Bürgerspitals dialogiert seit 2018 eine Gruppe von sechs Skulpturen des Künstlers Jean-Jacques Hofstetter (*1952) mit dem Kunstwerk Rostiges Eisen und närrische Kräuter. Mit ihrer durchdachten Anordnung wirken die Skulpturen, ein Geschenk des Freiburger Künstlers und Galeristen, wie stillgelegte Maschinen. Für seine geometrischen Kompositionen arbeitet der bildende Künstler mit Recyclingobjekten und Eisenschnitten, denen er die für ihn typische Rostpatina gibt. Alle Skulpturen sind zwischen 1995 und 1997 entstanden und gehen auf eine monografische Ausstellung des Museums für Kunst und Geschichte Freiburg (MAHF) zurück. Der Ausgangspunkt für diese Ausstellung war ein Kunstwerk, das der Künstler für den Salon der Gesellschaft Schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten (GSMBA) von 1994 mit dem Titel «Silence et révolte» schuf. In den anschliessenden drei Jahren schuf der Künstler in seinem Atelier in der ehemaligen Metzgerei seines Vaters insgesamt 28 Kunstwerke, die sich vom Zeitalter der industriellen Mechanisierung inspirierten. Er fügte die Metallteile instinktiv zusammen und arbeitete wie bei einer Collage Schritt für Schritt. Entstanden sind Maschinenskulpturen mit untergründlichen Mechanismen, die mit den Gegensätzen Bewegung und Spielstand, Innen und Aussen, Lärm und Stille spielen.

Im Garten des ehemaligen Bürgerspitals stehen die Skulpturen auf Betonsockeln mit einer Metallplatte, auf die die sich verhaltend bewegenden Maschinen geschweisst sind und bereit scheinen, sich jederzeit in Bewegung zu setzen.

Die sechs Skulpturen – die am 19. August 2018 eingeweiht wurden – wurden in enger Zusammenarbeit des Künstlers mit dem Amt für Stadtplanung und Architektur und dem Stadtarchiv Freiburg hier aufgestellt.

Standort
Garten des ehemaligen Burgerspitals
Technik
Patiniertes Eisen, Recycling-Objekte

 

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© Stadt Freiburg - Valentine Brodard
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Franziska Koch - Trinkwasser [Die Weinende]

Die als «La Pleureuse» (die Weinende) bekannte Skulptur von Franziska Koch (*1966) heisst eigentlich Trinkwasser. Die Künstlerin fertigte das seit 3. Juli 2003 in der Romontgasse stehende Werk auf Einladung der Kuratorin, bildenden Künstlerin und Videokünstlerin Pipilotti Rist an, die sie zur Teilnahme am Festival Belluard Bollwerk einlud.[1] Infolge der positiven Reaktionen der Bevölkerung auf diesen Skulpturbrunnen im städtischen Raum beschloss die Stadt Freiburg, die Plastik zu kaufen, deren Produktion vom darstellenden Kunstfestival finanziert worden war. 

Die Zürcher Künstlerin liess sich bei diesem Werk von den vielen Brunnen in den Schweizer Städten und von einer Freundin inspirieren, die damals Liebeskummer hatte und auch in der Öffentlichkeit in Tränen ausbrach. «La Pleureuse» verkörpert diesen Schmerz mit einem ununterbrochenen Tränenfluss, der über ihre Wangen, ihr Kinn, ihren Mantel und bis zu den Füssen der Frauengestalt fliesst. Das zur unverkennbaren Silhouette der Einkaufsstrasse gewordene Bildhauerinnenwerk hat mit seinen 1.5 Metern die Gestalt eines Kindes, was auch deren Interesse weckt. Hinzu kommt die hyperrealistische Wirkung der Skulptur, deren Gesicht und Hände den Zügen der unter Liebeskummer leidenden Freundin der Künstlerin nachempfunden sind.

In sich versunken, mit gesenktem Kopf, der von einer Kapuze bedeckt wird, Tasche in der Hand, ist «La Pleureuse» ausdrucksstark und weckt die Neugier. Die Namenlosigkeit der dargestellten Frau und ihre unauffällige Kleidung machen es einfach, sich mit ihr zu identifizieren.

Formell greift das Werk von Franziska Koch die Ikonographie der Klagefigur (Pleurant) auf – im Christentum gelten Tränen als Zeichen der Frömmigkeit – die in bildhauerischer Form mit einer trostlosen, flehenden Gestalt am Fuss eines Grabs, mit bedecktem Kopf und dem Blick auf den Boden gerichtet dargestellt wird.

Die durch ihre Platzierung subtil in den Vordergrund gestellte Skulptur knüpft an die einzigartige, über hundertjährige Tradition der Prozession der Klagefrauen von Romont an, die jeweils am Karfreitag stattfindet. Jedes Jahr nehmen in Romont rund fünfzehn verschleierte und von Kopf bis Fuss schwarz gekleidete Frauen die Gestalt der Klagefrau an, um dem Leiden Christis zu gedenken und ans Mitgefühl der Frauen von Jerusalem und das Leid der Jungfrau Maria zu erinnern.

Weiterführende Informationen 

Seit die Skulptur Trinkwasser 2003 aufgestellt wurde, wurde sie mehrmals stark durch Vandalismus beschädigt und musste restauriert werden. Dabei wurden die Knöchel der aus Aliminium gegossenen weiblichen Figur verstärkt. «La Pleureuse» leidet zudem unter dem harten Freiburger Wasser, das ihre Rohre – sprich Tränenkanäle – verstopft, aus denen die Tränen fliessen. Ein Wasserfilter, regelmässiger Unterhalt sowie Restaurierungsarbeiten sind notwendig, um das stadtbekannte Werk in einem guten Zustand zu erhalten.
 

Standort
Rue de Romont
Technik
Aluminium

 

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Johann Jakob Probst - Abbé-Bovet-Denkmal

Das am 15. Mai 1955 auf der Schützenmatte eingeweihte Abbé-Bovet-Denkmal erinnert an den Meister des Volkslieds. Das Plastik von Johann Jakob Probst (1880–1966), die der Stadt Freiburg an einer Feier offiziell übergeben wurde, entstand auf Initiative des Abbé-Bovet-Gedenkkomitees.

Nach dem Ableben des Domherren Joseph Bovet am 10. Februar 1951 schlug das Komitee dem Gemeinderat vor, eine Strasse nach dem Mann zu benennen, der die Chormusik zur Liturgie erhob und sie zu einer lebenden Freiburger Tradition machte.[1] Weiter schlug es vor, ihm zu Ehren ein Denkmal zu errichten. Dieses fügte sich in die Reihe der vielfältigen bereits bestehenden Ikonographien (verschiedene Darstellungen, wie auf Medaillen oder Briefmarken) und offiziellen Huldigungen des Abbés ein. Joseph Bovet hatte in der Tat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten, darunter die Ehrenbürgerschaft, die Ehrendoktorwürde der Universität Freiburg, die Ehrenmitgliedschaft in mehreren Musik- und vaterländischen Gesellschaften sowie die französische Ehrenlegion.[2] 

Für die Errichtung des Denkmals, das heute im Volksmund «La Morille» (die Morchel) genannt wird, wurde ein Spendenaufruf gestartet.[3] Gleichzeitig organisierte das Komitee einen Kunstwettbewerb, zu dem sieben Künstler eingeladen wurden. Ausgewählt wurde das Projekt mit dem Namen «Un bloc erratique» (Ein erratischer Klotz) des gebürtigen Baslers Johann Jakob Probst. Die Gespräche mit den Gemeindebehörden über den Standort des Denkmals führten zur Wahl der Schützenmatte, die damals in Planung war. Im September 1953 wurden der Standort und die geplante Skulptur veröffentlicht. Die Kritik fiel scharf aus: das von Probst vorgeschlagene rohe und stilisierte Porträt – ein für ihn charakteristisches non finito[4] – entsprach nicht den Erwartungen der Bevölkerung, wie die damalige Presse berichtet. Auch nach der Einweihung des Denkmals am kantonalen Gesangsfest im Mai 1955 war das Publikum nicht zufrieden. Das Komitee bat deshalb den Gemeinderat um die Genehmigung, dass der Künstler sein Werk ändern darf.[5]

Nun wurde auf der Vorderseite der Granitskulptur das Brustbild des Abbé Bovet in den Stein gemeisselt. Auf der Rückseite stellte Probst den Chorherren als Chorleiter dar, in der Erscheinung einer Vaterfigur an der Seite eines jungen Knaben, der Flöte spielt. Auf beiden Seiten des Sockels sind die Worte des Volkslieds «Le vieux chalet» eingraviert, das er 1910 komponierte. Neben ihnen ist eine sonnige Landschaft mit einem Berg im Hintergrund zu sehen. Auf dem Sockel aus Muschelsandstein sind in römischen Zahlen das Geburts- und Todesjahr des Abbé (1879–1951) angebracht.
 


[1] «Monument et dénomination rue Bovet», Sitzung vom 20. März 1951, S. 80 ; «Baptême d’une rue Abbé Bovet et emplacement pour monument», Sitzung vom 13. November 1951, S. 309, in: Protokolle des Gemeinderats, Stadtarchiv Freiburg.

[2] Borcard Patrice, «Joseph Bovet, 1879–1951: Itinéraire d’un abbé chantant», 2. Aufl., Hrsg. La Sarine, 1993, S. 21.

[3] Ebenda, S. 32. «[…] Sogleich wurde die Bevölkerung um Unterstützung gebeten: Es galt, rund 50’000 Franken zu sammeln. Man nutzte die Netzwerke der Chor- und Musikgesellschaften und der Cäcilienvereine und bat sie, Gedenkkonzerte zu organisieren. In einer zweiten Sammelphase wurde die Bevölkerung direkt zum Spenden aufgerufen. Nacheinander wurden auch die Stadt Freiburg und die ländlichen Bezirke um Spenden angefragt. Als Dank erhielt jede Spenderin und jeder Spender ein Erinnerungsfoto des Komponisten. Im November vermeldete das Komitee, dass die Hälfte der notwendigen Summe zusammen war, wobei es die grosszügige Beteiligung der Deutschschweizer Chöre betonte. Der Aufruf wird Ende Mai 1952 wiederholt, als die Schwelle der 35’000 Franken überschritten wurde. […]»

[4] Tiphaine Robert, «Jakob Probst: Un compromis entre tradition et modernité. Sculpter et commémorer en Suisse.», Masterarbeit eingereicht unter der Leitung von Prof. Stoichita, 2012. 

[5] «Monument à l’Abbé Bovet, achèvement», Sitzung vom 24. Mai 1955, S. 162, in: Protokoll des Gemeinderats, Stadtarchiv Freiburg.

Standort
Schützenmatte
Technik
Granit

 

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Hans Schöpfer - Koinonia

Diese Skulptur des bildenden Künstlers Hans Schöpfer (*1940) wurde am 20. September 2014 anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Wiederherstellung des Freiburgischen Grenadierkorps und des fünfzigjährigen Jubiläums seiner Einsetzung als Ehrengarde des Kantons Freiburgs eingeweiht. 

Zur Feier des hundertjährigen Jubiläums der Wiederherstellung des Korps wollten das Jubiläums-OK und der Korpsstab der Hauptstadt des Kantons Freiburg ein Kunstwerk schenken. Die Freiburger Künstlerinnen und Künstler wurden zu einem Wettbewerb eingeladen, woraufhin die Skulptur von Hans Schöpfer ausgewählt wurde.  Ihr Name Koinonia stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet «Gemeinschaft». Er hat auch eine christlich-theologische Bedeutung.[1] Hans Schöpfer, der seit Beginn der 1990er-Jahre künstlerisch tätig ist, ist Priester und lehrte namentlich interdisziplinäre Theologie an der Universität Freiburg.

Die Skulptur weist eine diskrete christliche Symbolik auf: Im Grundriss bildet sie ein Kreuz, worauf auch in der Beschreibung des Kunstwerks verwiesen wird. 

Zwei 60 mm dicke, oben abgerundete Stahlplatten greifen rechtwinklig ineinander. Sie sind so zusammengeschweisst, dass sie ein horizontales Kreuz bilden. In die Platten sind kleinere und grössere geometrische Figuren mit verschiedenen Formen gestanzt und machen sie so durchlässig. Einige davon sind gegen den Plattenrand, sprich seitlich oder nach oben, offen und symbolisieren den Austausch, die Offenheit und die Begegnung.[2]

Bei dieser Skulptur, die auch als Gedenkstätte dient, findet jedes Jahr die Feier im Gedenken an die verstorbenen Mitglieder des Freiburgischen Grenadierkorps statt.
 


[1] In der Erforschung der Kirche und der Ursprünge des Christentums bezeichnet Koinonia die christliche Gemeinschaft oder auch die Gemeinschaft zwischen den Gläubigen und Gott. 

[2] Dokumentation zur Skulptur, Mappe 124.11/7 CC 2011–2016, Stadtarchiv Freiburg. 

Standort
Barbe-Schinner-Platz
Technik
Oxidierbarer Stahl

 

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Jean Tinguely - Jo-Siffert-Brunnen (Geschwindigkeit)

Der Jo-Siffert-Brunnen, der auch Vitesse (Geschwindigkeit) genannt wird, ist ein Werk des Freiburger Künstlers Jean Tinguely (1925–1991). Tinguely selbst enthüllte das Denkmal zur Erinnerung an seinen verstorbenen Freund, den Autorennfahrer Joseph Siffert (1936–1971), anlässlich eines grossen Volksfests am 30. Juni 1984 auf der Schützenmatte.[1]

Heute ein Wahrzeichen der Stadt ist der Jo-Siffert-Brunnen – ein Kunstwerk im öffentlichen Raum – auch eine unvergängliche Würdigung des Autorennfahrers. Das heitere Denkmal[2] steht in einem Becken mit einem Durchmesser von fünfzehn Metern und besteht aus einer Skulptur, die komplexe Mechanik mit einem Wasserspiel verbindet. Der spritzende zeitgenössische Brunnen fügt sich nahtlos in die Freiburger Stadtplanung ein, die sich durch historische Brunnen aus der Renaissance auszeichnet. Das imposante Werk von Tinguely verlieh der Schützenmatte, die sich seinerzeit im Umbruch befand und heute ein öffentlicher Park, Treffpunkt und Freizeitort inmitten der Stadt ist, neuen Reiz.

Die Skulptur verbindet das Wasser mit der Bewegung, zwei Lieblingsthemen des Künstlers, der mehrere weitere Brunnen gestaltet hat: namentlich den berühmten Fasnachtsbrunnen in Basel im Jahr 1977 und den Stravinsky-Brunnen neben dem Centre Pompidou in Paris, den er 1983 zusammen mit Niki de Saint-Phalle entwarf.

Wie für die kinetische Kunst typisch ist, die Tinguely mit den verschiedensten Maschinen entwickelte, ist der Jo-Siffert-Brunnen in ständiger Bewegung. Dem ununterbrochenen Lauf der Zeit gleichend aktivieren sich die Mechanismen mit einem vom Künstler eingestellten Takt selbst, wodurch die Drehung der Skulptur – mit Ausnahme des mechanischen Knirschens – nur subtil wahrnehmen ist. 

Die Skulptur kommt und geht im Fünfertakt. Ich gebe ihr diesen Takt vor, ohne das Sichtfeld der Zuschauenden oder der Träumenden zu stören, denn eine solche Maschine lädt zum Träumen ein. [...] Die entwickelten Geschwindigkeiten resultieren aus einer grossen Erfahrung, die ich vom Wechselspiel der Bewegung und des Wassers abgeschaut habe. Wasser kann nervös machen oder aufheitern, zur Kontemplation anregen und dadurch die Bewegung selbst vergessen lassen.[3]

Die Bewegung ist verblüffend langsam für ein Denkmal zu Ehren eines Mannes, der zahlreiche Autorennen gewonnen hat. Der mechanische Walzer, der von fünf unterschiedlich grossen Rädern, einer Spirale und den Fontänen getanzt wird, ist von Motoren angetrieben, die einen Wasserdurchfluss von 200 Litern pro Minute ermöglichen. Die Kraft des Kunstwerks liegt in seiner konstanten Funktionsfähigkeit bei jedem Wetter, sobald es ins Wasser gestellt wird. Die Maschine lädt zur Kontemplation ein. Die Besucherinnen und Besucher können sich ans runde Becken setzen und die Skulptur aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. 

Anders als mechanische Ingenieure baute Jean Tinguely seine Skulpturen intuitiv und es gibt keinen vom Künstler gezeichneten Ausführungsplan; nur Zeichnungen mit handschriftlichen Anweisungen. Desgleichen gibt es Darstellungen des Skulpturbrunnens in der kompositorischen Form eines Feuerwerks der Farben, das den verspielten und heiteren Charakter des Denkmals betont.

Entstehungskontext und Standort

Der im Sommer 1984 eingeweihte Jo-Siffert-Brunnen hat eine lange Geschichte. Bereits im Januar 1972 sprach Jean Tinguely von seiner Absicht, ein Denkmal zu Ehren seines lieben Freunds zu erschaffen, der einige Monate zuvor, am 24. Oktober 1971, bei einem Autorennen in England im Alter von 35 Jahren verunglückt war.

Der Vorschlag des Künstlers wurde dem Gemeinderat und dem Stadtammann Lucien Nussbaumer vorgestellt. Die Baudirektion erhielt den Auftrag, das Dossier zu prüfen und mit dem Künstler einen Standort zu bestimmen. Dieser wünschte, dass sein Denkmal auf einem belebten Platz der Stadt Freiburg aufgestellt wird, wie auf der Schützenmatte, auf dem Bahnhofplatz oder in der Nähe der Universität. Die Stadt schlug andere Standorte vor, die Platz für das Wasserbecken rund um die Maschine boten. Ein Vorschlag war der Pérolles-Garten, der heutige Dominopark. Die Schützenmatte war seinerzeit insbesondere aufgrund der Neugestaltung der Esplanade, der Nähe zum unterirdischen Parkhaus und zum Eurotel-Bauprojekt (das 1977 fertiggestellt wurde) keine Option. Da keine Einigung gefunden werden konnte, folgten zehn Jahre des Schweigens zwischen Jean Tinguely und den Gemeindebehörden. 

1982 ermöglichten mehrere Begebenheiten die Wiederaufnahme der Gespräche: Eine neue Legislatur mit dem Amtsantritt des Stadtammanns Claude Schorderet, die internationale Bekanntheit des Künstlers, die Beliebtheit des Autorennfahrers, eine Baustelle in der Nähe der Universität und schliesslich ein Sonderbudget.

Während dem Bau der Abdeckung der Gleise entlang der Universität kam die Idee auf, auf dem so geschaffenen Platz ein Kunstwerk zu installieren.[4] Auf Anfrage bestätigte Jean Tinguely seine Bereitschaft, das frühere Projekt eines Denkmals für seinen Freund Jo Siffert wieder aufzunehmen und seinen Wunsch, es im öffentlichen Raum aufzustellen. Die Lage direkt neben dem Standort Miséricorde der Universität erwies sich indessen als ungeeignet. Der Künstler sprach sich deshalb erneut dafür auf, das Denkmal auf der Schützenmatte zu errichten. Unter dem Vorsitz des Stadtammanns Schroderet beschloss der Gemeinderat diesmal, das Projekt zu genehmigen. 

Nach eingehender Prüfung des Orts wählte der Künstler einen Platz im Südwesten der Schützenmatte.[5] Dabei berücksichtigte er das Baurecht des Parkhauses sowie die Nähe zum Café des Grand-Places. Jean Tinguely schenkte den Jo-Siffert-Brunnen der Stadt, die im Gegenzug die Kosten der Installation übernahm. Eine besondere Kommission koordinierte die Installation der Skulptur, die den Bau eines Betonbeckens und eine Wasserversorgung mit einem geschlossenen Kreislauf erforderte. Für die Finanzierung schlug der Gemeinderat die Aufnahme eines Kredits vor, der vom Saldo des Budgets entnommen werden sollte, das 1981 für die Verschönerung Freiburgs anlässlich des 500. Jahrestags der Aufnahme in die Eidgenossenschaft vorgesehen worden war. Im März 1984 genehmigten die besondere Kommission, die Finanzkommission und der Generalrat die Übernahme der Kosten für den Bau des Beckens, eines Pumpraums und für die erforderlichen technischen Vorrichtungen. 

Einweihung 

Jean Tinguely kündigte an, sein Projekt vor dem Sommer 1984 liefern zu wollen. Die Einweihung erfolgte am Samstag, 30. Juni in einer festlichen Volksfestatmosphäre. In der damaligen Presse wurde die Einweihung als Taufe beschrieben. In der Tat musste Tinguely ins Wasser stehen, um den Brunnen zu enthüllen, da die für die Enthüllung gedachte Konstruktion beim Versuch, sie hochzuheben, einstürzte.[6] Anschliessend wurde das Denkmal mit seinen vielen Springbrunnen und Mechanismen unter Applaus in Bewegung gesetzt.

Gleichzeitig mit dieser sehnsüchtig erwarteten und von der Bevölkerung mit grossem Interesse verfolgten Einweihung fand im Museum für Kunst und Geschichte Freiburg (MAHF) eine Ausstellung zum bildnerischen Werk von Jean Tinguely statt. Die bis Ende September 1984 geöffnete Ausstellung drehte sich um die Tinguely-Brunnen.[7]

Umzug auf den neuen Bahnhofplatz? 

Das Denkmal zu Ehren des Formel-1-Piloten wurde extra für den Ort seiner Errichtung, die Schützenmatte, geschaffen. Das Becken und die Technik wurden an den Standort angepasst, was den Jo-Siffert-Brunnen zu einem ortsspezifischen Kunstwerk macht. Dies war eines der Hauptargumente, die 2015 und auch 2022 gegen den Vorschlag vorgebracht wurden, die Brunnenskulptur im Rahmen des grossen Neugestaltungsprojekts auf dem Bahnhofplatz neu aufzubauen.[8] Ausserdem ist der Jo-Siffert-Brunnen seit 1995 im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung (KGS) erfasst. 2023 wurde der Brunnen mit der Verabschiedung des Ortsplans (OP) mit der Kategorie 3 unter Schutz gestellt.[9]

Im Oktober 2024 fiel das Urteil: Der Jo-Siffert-Brunnen bleibt an seinem Platz.[10] Für die Gestaltung eines neuen zeitgenössischen Kunstwerks für den neu gestalteten Bahnhofplatz wird ein Kunstwettbewerb durchgeführt.

Regelmässiger Unterhalt und reibungslose Funktionsweise 

Der seit über vierzig Jahren laufende Brunnen ist ein alter Herr, der jedes Jahr einen umfassenden Unterhalt erfordert. Dieser wird von den verschiedenen städtischen Dienststellen, in erster Linie der Schlosserei und der Sanitärabteilung, sowie von externen Unternehmen durchgeführt. Nachdem die Skulptur nach dem Unterhalt im Frühling ins Wasser gestellt und in Betrieb genommen wird, wird der Brunnen das ganze Jahr über jede Woche gewartet.

2018 setzte der harte Winter dem Jo-Siffert-Brunnen zu. Seine von Frost überzogenen Mechanismen und Räder kippten unter dem Gewicht der Eisblöcke.[11] In der Folge wurden sie in die städtische Schlosserwerkstatt gebracht, wo sie dank dem Fachwissen ehemaliger Mitarbeiter des Künstlers – Joseph «Seppi» Imhof und René Progin – instandgesetzt werden konnten.

Bei der Anfertigung des Denkmals war sich Jean Tinguely der Gefahr der winterlichen Kälte bewusst. Er hielt seine Skulptur jedoch für ausreichend stabil, um der Witterung standzuhalten und weiter zu funktionieren, was ausser in den Jahren 2008, 2016 und 2018 auch meist der Fall ist. 

Die Skulptur muss weiter funktionieren können, auch wenn sie unter einer enormen Eismasse begraben ist, die auf der feinen Mechanik meines Kunstwerks Antikörper bildet. Das Eis, das keine identifizierbare Form hat, eine weisse Antimaterie gegen die schwarze Skulptur darstellt, wird mithilfe des Winds die ausserordentlichsten Figuren bilden. Für dieses Spektakel warte ich den ersten Frost ab und lasse das Wasser weiter spritzen![12]

2025: 100 Jahre Jean Tinguely 

Freiburg, die Schweiz und die restliche Welt feierte 2025 den 100. Geburtstag von Jean Tinguely. Zu diesem Anlass wurden in der Heimatstadt des Künstlers mehrere Ausstellungen und Veranstaltungen organisiert. Am 15. Juni 2025 wurde ein grosses Volksfest mit einem Umzug durch die Strassen gefeiert. Die Ansprachen wurden auf der Schützenmatte vor dem Jo-Siffert-Brunnen gehalten.

 


[1] Weiterführende Informationen: Markus Peter: «Jo Siffert», in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 31.7.2015, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016391/2015-07-31/.

[2] Übersetzung des französischen «mémorial joyeux», das der Journalist Charles Descloux verwendete. Charles Descloux, «Un mémorial joyeux pour Fribourg», La Liberté, Freitag, 29. Juni 1984.

[3] Aussagen von Jean Tinguely aus dem Interview von Charles Descloux für die Zeitung La Liberté

Ebenda.

[4] Botschaft des Gemeinderats an den Generalrat, 25–1982/1986: Fontaine pour l’œuvre de Jean Tinguely aux Grand-Places, 20. März 1984, Stadtarchiv Freiburg. 

[5] «Der Standort wurde bewusst aufgrund der Umgebung, dem Licht- und Schattenspiel und der Windrichtung gewählt.», Zitat aus dem Protokoll des Generalrats, 5. Aménagement d’un bassin pour l’œuvre de Jean Tinguely en hommage à Jo Siffert, Sitzung vom 1. Mai 1984, S. 18, Stadtarchiv Freiburg.

[6] JLP, «Césarienne pour une fontaine», La Liberté, Montag, 2. Juli 1984.

[7] «Jean Tinguely: première aux Grand-Places et au Musée. La fontaine baptisée», La Liberté, Montag, 2. Juli 1984.

[9] «Annexe 4, Liste des bâtiments et des éléments sous protection», S. 144, in: Amt für Stadtplanung und Architektur: Ortsplan, Gemeindebaureglement, Version 2023, im Juni 2024 vom Gemeinderat verabschiedet.

[10] Stadt Freiburg, Medienmitteilung, Ein neues Kunstwerk für den Bahnhofsplatz, 29.10.2024, Ein neues Kunstwerk für den Bahnhofsplatz | Stadt Freiburg

[11] La photo du jour, S. 32, in: arcinfo, 12. März 2018.

[12] Charles Descloux, «Un mémorial joyeux pour Fribourg», La Liberté, Freitag, 29. Juni 1984.

Standort
Schützenmatte
Technik
5 unterschiedlich grosse Aluminiumräder, Achsen aus Edelstahl, 4 48-Volt-Motoren, Riemen, elektrische Elemente, 6 Wassersprinkler (200 Liter pro Minute), 3 seitliche Sprinkler, Spirale, Unterwasserscheinwerfer für die Beleuchtung

 

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Joseph Simon Volmar - Pater-Girard-Denkmal

Am 6. März 1850 verstarb Pater Gregor Girard[1], ein bekannter Pädagoge und der Initiator des wechselseitigen Unterrichts.[2] Kurz später erliess der Gemeinderat ein Dekret zur Errichtung eines Denkmal zu Ehren des Begründers der öffentlichen Schule in der Schweiz. Der Grossrat bestätigte das Dekret und schlug darüber hinaus die Anfertigung einer Büste des Paters Girard (1765–1850) vor, um sie in den Schulen aufzustellen, sowie einer Lithographie, die in allen öffentlichen Primar- und Sekundarschulen aufzuhängen sei.[3]

Obwohl im März 1850 eine Kommission mit der Umsetzung des Dekrets und mit der Mittelbeschaffung beauftragt wurde, erfolgte die Errichtung des Denkmals zu Ehren des Paters und Lehrers erst zwölf Jahre später im Jahr 1862. 

Auf die in der Folge lancierte Ausschreibung meldeten sich drei Künstler und zwei Architekten. Darunter waren Simon Volmar (1796–1865) und Raphael Christen (1811–1880). Am 1. November 1851 wurden die Projekte dem Staatsrat vorgelegt, der keinen Entscheid traf, da die Finanzierung nicht sichergestellt war. Im Februar 1853 waren 6000 Franken gezeichnet. Im August des gleichen Jahres gewährte der Gemeinderat die Summe von 4000 Franken unter der Bedingung, dass das Denkmal auf dem Ulmenplatz errichtet wird. Im April 1854 wurde die erste Variante des Projekts des Berners Volmar dem Staatsrat vorgelegt, der den Verschlag guthiess. Die lebensgrosse Statue sollte Pater Girard als Gelehrten darstellen, mit einem Buch in der einen und einer Feder in der anderen Hand. Für sein Werk fertigte Volmar zunächst ein Modell aus Ton und anschliessend aus Gips an, das der von der Kommission beauftragte Theodor von Hallwyl[4] prüfte. Anschliessend galt es, einen Kunstgiesser zu finden, der das Denkmal ausführen konnte. Mit Verspätung und den notwendigen Nachbesserungen wurde die Bronzestatue im Juli 1857 endlich nach Freiburg geliefert. Im gleichen Jahr wurde der Sockel vom Unternehmen Bargetzi aus Solothurner Stein gehauen.[5] Am 23. Juli 1860 wurde das Pater-Girard-Denkmal schliesslich festlich eingeweiht.[6]

Zwischen dem vorgelegten Entwurf und der gelieferten Statue gab es einige nennenswerte Unterschiede. Pater Gregor Girard wurde schlussendlich stehend und in Überlebensgrösse dargestellt. Die Feder und das Buch wurden durch eine Papierrolle ersetzt, die an die Werke und neuen pädagogischen Methoden von Girard erinnert.[7] Die Mönchskutte, deren Falten meisterhaft ausgeführt sind, und der Pileolus als Kopfbedeckung betont seine Funktion als Pater des Franziskanerordens. Durch seine Haltung und seine fest verwurzelten Füsse erweckt die Statue den Eindruck, selbst ein Sockel zu sein. Mit seinem leicht gedrehten Kopf und seinem in die Zukunft gerichteten Blick strahlt der Mann, der das wechselseitige Lernen in der Klasse erfand, eine natürliche Autorität aus.

1862 wurde das Denkmal mit der Anbringung zweier Bronzereliefs von Raphael Christen vollendet, die den Sockel schmücken. Eines der Reliefs stellt Pater Girard in seiner Rolle als Pädagoge umringt von seinen Schülerinnen und Schülern dar. Die Darstellung des Erziehers mit erhobenem Arm und der anderen Hand am Kopf eines Kindes wurde aus dem ursprünglichen Entwurf abgeleitet, den Christen 1851 dem Staatsrat unterbreitete. Das zweite Relief zeigt Gregor Girard an einem Pult sitzend mit einer Feder in der Hand.

Auf den beiden anderen Sockelseiten finden sich eine Marmortafel mit einem Text in Bronzebuchstaben[8] sowie eine Widmung der Subskribenten des «Beschützers der Jugend», verfasst durch seinen Schüler, den Historiker Alexandre Daguet.[9]

Der Standort auf dem Ulmenplatz wurde nicht zufällig ausgewählt. Er befindet sich zwischen dem Geburtshaus des Paters Girard, der Franziskanerkirche sowie der Knabenschule, die von Girard als Schulpalast konzipiert wurde. Heute befindet sich in diesem Gebäude das Friedensgericht des Saanebezirks sowie der Sektor Stadtarchiv und Kulturerbe der Stadt Freiburg.

Gedächtnisse: Am 31. Mai 1950 wurde dem 100. Todestag des Paters Girard gedacht. Zehn Jahre später wurde am 23. Juli 1960 das Jubiläum der Einweihung des Denkmals gefeiert. 2015 wurde der 250. Jahrestag der Geburt von Pater Girard gefeiert.
 


[1] Mit vollem Namen Jean-Baptiste-Caspar-Melchior-Balthasar Girard. Nach seinem Eintritt in den Franziskanerorden nahm er den Namen Gregor an. 

[2] Hans-Ulrich Grunder: «Lancasterschulen», in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 11.11.2008. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010427/2008-11-11/.

[3] Staatsarchiv Freiburg, StAF PGC, 7. März 1850, 1102, 1093–1094; 8. März 1850, 1111; Mappe des Staatsrats, Bericht der Erziehungsdirektion, 29. März 1850.

[4] Theodor von Hallwyl (1810–1870) beteiligte sich als aufgeklärter Mäzen am Reiterdenkmal von Rudolf von Erlach in Bern, das 1849 von Jospeh Simon Volmar ausgeführt wurde. Andrea Weibel, «Theodor von Hallwyl», in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 4.8.2006, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/045982/2006-08-04/.

[5] Ferdinand Pajor, «Un moine éducateur coulé dans le bronze, pour l’éternité», in: Verzeichnis der unbeweglichen Kulturgüter – Blatt Nr. 046/2006, Amt für Kulturgüter des Kantons Freiburg, Pater-Girard-Denkmal – Ulmenplatz, Band 46, 2006. 

[6] Siehe «Programme de la fête pour l’inauguration du monument du Père Girard», in: Le Confédéré de Fribourg, 19. Juli 1860.

[7] Zum Beispiel: « De l’enseignement régulier de la langue maternelle dans les écoles et les familles », 1844. 

[8] «Gregor Girard. Aus dem Franziskanerorden, geboren in Fryburg 17. Dezember 1765. Erster Pfarrer zu Bern seit der Reformation, Leiter der Staatsschulen in Fryburg von 1804–1823. Gründer der gemeinnützigen Gesellschaft, Philosophieprofessor in Luzern. Ordensprovinzial, Präsident der naturforschenden Gesellschaft der Schweiz 1840; Ritter der Ehrenlegion, für seine pädagogischen Werke mit dem Preis von Monthyon ausgezeichnet, Mitglied der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften (Frankreich). Gestorben in Fryburg am 6. März 1850. Er hat sich um das Vaterland verdient gemacht. Dekret des grossen Rates vom 8. März 1850.»

Übersetzung aus Egger Eugen, P. Gregor Girard. Ein Schweizerischer Volksschulpaedagoge, Rex-Verlag Luzern, 1948, S. 151. 

[9] Dem Beschützer der Jugend. Dem Wohltäter des Volkes und der leidenden Menschheit. Dem christlichen Philosophen und patriotischen Mönchen. Die Freiburger, das Schweizer Volk und die Bürger von Frankreich, Italien und Deutschland haben dieses Denkmal errichten.

Standort
Place des Ormeaux
Technik
Bronze, Solothurner Stein

 

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