Die erste Sitzung des Generalrats der Legislaturperiode 2026–2031 wurde vom Alterspräsidenten, dem 78-jährigen Raphaël Fessler (Die Mitte/GLP), eröffnet. Ohne seit der vorhergehenden Periode, die er ebenfalls eröffnen durfte, von seinem Schwung und Humor eingebüsst zu haben, erinnerte er die Anwesenden zunächst daran, dass «unser Reglement uns zu harmonischen Debatten auffordert, was nicht heisst, dass diese langweilig sein müssen». Zudem kündigte er an, dass der Generalrat künftig sieben Fraktionen umfasst: die Sozialdemokratische Partei (SP), Die Grünen, Mitte Links (ML), Die Mitte / Grünliberale Partei (Die Mitte/GLP), Die Liberalen (FDP) und Unabhängigen, die Schweizerische Volkspartei (SVP) sowie die neue Fraktion Würde Aktion Solidarität (DAS·WAS), die er willkommen hiess.
Nova Friburgo und die Ufer der Saane: von der Utopie zur Realität
In seiner Eröffnungsrede wünschte sich Raphaël Fessler eine echte generationsübergreifende Zusammenarbeit innerhalb des neuen Rats; er selbst hatte die vorangegangene Legislaturperiode damit eröffnet, dass er seine Redezeit mit seiner jüngsten Tochter teilte. Da eine erfolgreiche Fusion mit den Nachbargemeinden ausgeblieben war, versäumte er es nicht, als Präsident des Vereins Fribourg-Nova Friburgo ironisch auf die Utopie einer «transkontinentalen Fusion mit einer Schwesterstadt in Brasilien: Nova Friburgo» hinzuweisen. Damit wollte er den Gemeinderat auf den 50. Jahrestag der Beziehungen der Stadt Freiburg zu dieser südamerikanischen Stadt vorbereiten, die im 19. Jahrhundert unter anderen von Freiburger und weiteren Schweizer Wirtschafts- und Klimaflüchtlingen gegründet worden war. Näher an lokalen Belangen erinnerte der Alterspräsident an das «schöne Projekt zur Revitalisierung der Saane», das der Generalrat vor sechs Jahren verabschiedet hatte, das aber steckenblieb und, wie er hofft, bald mit einem Gemeinderat, der «den Turbo» anwirft, verwirklicht wird. Vor dem Hintergrund einer «neuen Weltunornung und ihrer Auswüchse» plädierte er für «die Suche nach Wohlbefinden in unserem kommunalen Mikrokosmos » ohne Gleichgültigkeit oder Feigheit. «Versuchen wir, die Last von La Pila nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag mitzuschleppen; träumen wir nicht von Windrädern auf dem Guintzet, sondern bauen wir endlich das Schwimmbad [auf dem Sportareal St. Leonhard]; bemühen wir uns um eine kohärente Strategie, die das Miteinander aller Verkehrsmittel fördert; setzen wir das Projekt Bahnhofsplatz um und bauen wir weiterhin Brücken zwischen Staat und Stadt, insbesondere in der BlueFactory!»
Botschaft des Syndic
Elias Moussa (SP), der am 25. April dieses Jahrs zum Stadtpräsidenten ernannt wurde, richtete anschliessend seine Glückwünsche und ermutigenden Worte an alle gewählten Generalratsmitglieder. Ungeachtet «der schlechten Beispiele, die weltweit zunehmen», rief auch er dazu auf, den reibungslosen Betrieb unserer Institutionen zu wahren. Zu den von ihm genannten Herausforderungen gehörten: der Stellenwert, den wir der zweisprachigen Identität unseres Kantonshauptorts einräumen wollen, die Fortsetzung der Neugestaltung des Burgquartiers und des Bahnhofplatzes, das künftige Quartier Torry-Ost, die Schulinfrastrukturen und der Bau des künftigen neuen Hallenbads. «Diese Projekte machen gelegentlich nur langsame Fortschritte, doch diese Langsamkeit ist kein Mangel, sie widerspiegelt unseren Rechtsstaat und gewährleistet Partizipation, Debatte und die Berücksichtigung unterschiedlicher Standpunkte.»
Präsidium und Vizepräsidium
Auf der Tagesordnung dieser Sitzung standen zudem die Wahlen des Präsidiums und die Bildung der Kommissionen des Generalrats. Letzterer wählte Jean-Noël Gex (FDP und Unabhängige) für den Zeitraum vom 4. Mai 2026 bis zum 3. Mai 2027 zu seinem Präsidenten. Das Vizepräsidium ging an Elisa Nobs (Mitte Links). Beide wurden klar mit absoluter Mehrheit gewählt, obwohl Claudio Rugo (Künstlerclub-Partei) die Versammlung einen Moment lang in Atem hielt, als er seine Kandidatur für das Präsidium ausserhalb der bestehenden Fraktionen ankündigte. In seiner Antrittsrede erklärte Jean-Noël Gex, der im Greyerzerland geboren wurde, bevor er eine Familie gründete und seine starken und nachhaltigen sozialen Verpflichtungen für die Zähringerstadt vervielfachte: «Ich richte meinen Blick nach vorne und setze mich für die Zukunft unserer Stadt und unserer Region ein.» Als pensionierter Chemiker und begeisterter Segelsportler betonte er seinen Respekt vor Umwelt, Zeitmessung sowie Gesetzen und Institutionen. «Ich werde mich als Schiedsrichter positionieren, um harmonische und konstruktive Debatten zu ermöglichen. Ich werde nach Lösungen, nicht nach Problemen suchen.» Anschliessend fand die Wahl der Kommissionsmitglieder statt (siehe rechts).
Fahnen in Bewegung
Erwähnenswert ist schliesslich die Einreichung der ersten Resolution dieser Legislaturperiode, in welcher der Gemeinderat aufgefordert wird, die Regenbogenfahne wie im vergangenen Jahr am 17. Mai anlässlich des Internationalen Tags gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie auf dem Bahnhofplatz zu hissen, anstatt sie wie aufgrund der diesjährigen Eishockey-Weltmeisterschaft der Männer vor dem Rathaus hochzuziehen. Die Resolution wurde von der Mehrheit des Generalrats angenommen und kann unter www.ville-fribourg.ch/actualites/resolution-1-2026-2031 eingesehen werden.